Kirchlicher Umweltpreis 2025 geht nach Kleinwolfstein

Die Pflege der Natur ist Teil eines Lebensstils, der fähig ist zu staunen und in der Tiefe des Lebens Glück zu finden. (Laudato si)

Preisverleihung am 16. Jänner in St. Pölten

Der Umweltpreis ist eine gemeinsame Initiative der katholischen und evangelischen Umweltbeauftragten Österreichs, der Österreichischen Bischofskonferenz sowie der katholischen OrdensgemeinschaftenÖsterreichs. Ein Schwerpunkt der Ausschreibung 2025 lag auf dem Thema „Biodiversität – lebensfreundlich aktiv“.

Nachdem wir von verschiedenen Seiten ermutigt worden waren, unser langjähriges Engagement zur Förderung der Artenvielfalt im unmittelbaren Lebensumfeld einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen, reichten wir im Herbst 2025 – passend zum Fest des hl. Franziskus – unseren Beitrag ein und wurden nun zusammen mit Bürgermeister Kriener zur Preisverleihung nach St. Pölten eingeladen:

Kirchlicher Umweltpreis vergeben
Umweltpreis 2025 – Broschüre

Der nun erhaltene Umweltpreis ist für unsere Gemeinschaft eine große Freude. Wir widmen diese Auszeichnung unserem kürzlich verstorbenen Freund und Förderer unserer Gemeinschaft, Herrn Willibald Christoph. Mit seiner fachlichen Expertise, seiner unermüdlichen Geduld in Erklärung und Anleitung zur differenzierten Pflege sowie mit eigener Gestaltungskreativität und Tatkraft hatte er entscheidenden Anteil am Gelingen des Projekts. Wir verdanken ihm nicht nur die Entstehung und Entwicklung unserer Blühwiesen, sondern auch die Einführung in das zugrundeliegende Verständnis für eigenverantwortlichen Schöpfungsschutz. Danke, Willi!

Schöpfung als Geschenk & Auftrag

Vor über zehn Jahren begann unsere Gemeinschaft, die ehemals landwirtschaftlich genutzte Fläche rund um unseren alten Vierkanthof in naturnahe Blühwiesen zu verwandeln. Seither sind wertvolle Lebensräume entstanden, in denen heute eine vielfältige Flora und Fauna gedeihen – darunter auch der Kreuz-Enzian und sein geflügelter Begleiter, der Ameisenbläuling.

Pflege und Entwicklung – ein Jahrzehnt für mehr Artenvielfalt

Von Beginn an entschieden wir uns bewusst für einen langfristigen, nachhaltigen Weg: weg von intensiver Nutzung, hin zur Gestaltung und Pflege eines Lebensraumes für Pflanzen- und Tierarten, die in der heutigen Kulturlandschaft kaum mehr Überlebenschancen haben.

Das Projekt startete mit der Gliederung der Flächen in eine ausgedehnte Blühwiese und ein extensiv genutztes Biotop. Ergänzt wurde dies durch eine behutsame Geländemodellierung mit unterschiedlichen Kleinklima-Zonen sowie Feucht- und Trockenbereichen.

Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick:

  • schonende, differenzierte Mahd
  • einmaliger Schnitt auf Teilflächen
  • konsequente Entfernung von Neophyten
  • Verzicht auf Dünger und Pflanzenschutzmittel
  • besondere Pflege der Orchideen
  • gezielte Förderung der Schmetterlingsvielfalt

Im Laufe der Jahre stellte sich ein stabiles, artenreiches Gleichgewicht ein. Bisher konnten über 120 heimische Pflanzenarten dokumentiert werden – darunter mehrere Arten der Roten Liste.

Hier einige Impressionen zur Schönheit & Vielfalt: https://photos.app.goo.gl/Z56ocjVqkerXAKQL9

Schöpfungsverantwortung – ganz konkret

Die Pflege der Blühwiesen ist für uns Ausdruck gelebter Spiritualität. In jedem Arbeitsschritt – vom ersten Mähen im Frühjahr bis zur Beobachtung der langsam reifenden Samenstände – spiegelt sich die Haltung des Bewahrens und eine stille Form der Fürsorge, die auf Mitwirkung statt Kontrolle setzt.

So verstehen wir uns als Mitarbeitende an Gottes Wunderwerk der Natur: Die Schöpfung ist nicht nur ein Geschenk – sie ist auch ein Auftrag. Ein Auftrag, den wir als Gemeinschaft tragen – im Vertrauen darauf, dass auch kleine Beiträge Großes bewirken können.

Die Auszeichnung und die damit verbundene Wertschätzung sind für uns eine große Freude und zugleich eine Ermutigung. Gerne geben wir diese Motivation zum eigen-initiativen Schöpfungsschutz gerne weiter und laden andere ein, eigeninitiativ Verantwortung für die Schöpfung zu übernehmen – jede und jeder mit dem eigenen, ganz konkreten Beitrag.

Die ökologische Umkehr erfordert eine innere Wandlung. Sie bedeutet, die Welt mit anderen Augen zu sehen. (Laudato si’)

Gesamtdarstellung des Projekts: Kreuzenzian – ein stiller Schatz der Natur

Schöpfungsschutz plus

Gemäß unserer Prinzipien erfordert die Art unserer Naturpflege keinen hohen finanziellen Aufwand. So entstand – angesprochen auf die weitere Verwendung des Preisgeldes – die Idee, Schöpfungspflege ganzheitlich und Grenzen überschreitend zu verstehen und den Preis einer Schwesterngemeinschaft in Novo Topola (Bosnien-Herzegowina) zukommen zu lassen.

Die dortige St. Josefskirche war während des Krieges beschädigt und mit Hilfe von Hilfsorganisationen saniert worden. Nun dient sie bewusst der Versöhnungs- und Friedensarbeit zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Die Schwestern vor Ort haben in mühsamer Aufbauarbeit einen Tee-Handel eingerichtet: Sowohl auf den umliegenden Bergwiesen als auch aus eigenem Anbau werden Wiesenblumen und Kräuter gesammelt, getrocknet und zu Tee verarbeitet. Dieser wiederum steht der umliegenden Bevölkerung, unabhängig von Nation und Religion, zur Verfügung und wird auch zur Linderung gesundheitlicher Beschwerden genutzt.

Papst Franziskus hat dazu sinngemäß folgendermaßen formuliert: „Die Natur lehrt nicht nur, sie heilt auch…“ Das unterstützen wir sehr gern.

19. Januar 2026