Wanderexerzitien in Aragon – unterwegs im Land des Hl. Ignatius
Über Pfingsten fanden dieses Jahr unsere Jahresexerzitien zum ersten Mal als Wanderexerzitien statt: Gott in allen Dingen finden, über die Schöpfung staunen und zum Betrachten gelangen, „mit dem lieben Gott stricken“ – das waren Hilfen, die es uns ermöglichten, unser Herz in Ruhe zu erheben und uns mit unserem Herrn inniger zu verbinden. Eine verlassene Berglandschaft in Aragon / Spanien und die Impulse von P. Stefan waren dazu genau die richtige Kombination. Deo gratias.
Wir lassen euch mit ein paar Gedanken gern an den Exerzitienthemen teilhaben:
Mehr als eine „Geschäftsbeziehung“
Aus Statistiken der Paarforschung geht hervor, dass Ehepaare oft nur rund zehn Minuten pro Tag miteinander sprechen – meist ausschließlich über „Geschäftliches“ wie Alltags- oder Organisationsfragen, Einkäufe, Kindertermine usw. Das kann Unzufriedenheit und Frust auslösen, da sich viele Menschen einfach nach Nähe und Wahrgenommen-Werden sehnen. Da hilft, bewusst Zeit miteinander zu planen und über Herzensanliegen zu sprechen, die einem wirklich wichtig sind.
Das gilt auch fürs Gebet, für unser Gespräch mit Gott: Gott hört auch unsere Pläne und Termine, doch auch wir (sowie auch Gott für uns) sehnen uns nach Extra-Zeit, in der wir Dinge betrachten, die uns wirklich bedeutsam sind. Dann wandeln sich die Themen einer reinen Geschäftsbeziehung in echte Herzensangelegenheiten – und Gott freut sich, wenn wir ihn an unseren Gedanken, Sorgen und Freuden teilhaben lassen. Im Gespräch mit Gott werden oft viele Dinge klarer. Jesus zog sich immer wieder aus dem Alltag zurück, um allein mit dem Vater zu sein. Es ging dabei sicher um Herzensanliegen und um Zeit mit dem Vater, um Kraft für seinen Auftrag zu schöpfen und aus der innigen Verbundenheit mit ihm die Botschaft vom Reich Gottes in die Welt hinaus zu tragen.
Mit Gott stricken…
war ein Bild aus unseren Exerzitien, das zum Ausdruck bringt, dass wir uns beispielsweise nicht nur für Morgen- und Abendgebet mit Gott verbinden dürfen, sondern auch viele kleine Alltagssituationen nutzen können, um an Gott zu denken und mit ihm in Kontakt zu treten. Stricken steht in diesem Kontext also einfach für eine alltägliche Tätigkeit, die (bei Profis 🙂 ) nicht zwingend volle Aufmerksamkeit erfordert und so die Chance mit sich bringt, im Herzen sich ganz in die Nähe Gottes zu begeben; so wie in vielen anderen Situationen auch: Sei es beim Warten an der Ampel, beim Weg vom Auto zur Haustür, an der Kasse oder eben bei anderen eingeübten Tätigkeiten. Gott ist jederzeit da, hat ein offenes Ohr und wartet auf uns.
Zuhören
Eine Beziehung kann wachsen, wenn jeder auch zuhören kann und den anderen zu Wort kommen lässt – das gilt auch für unsere Begegnung mit Gott. Gott hört uns immer zu, doch es tut auch uns gut, Zuhörende für das zu sein, was ER uns zu sagen hat. Also: Mut zur Stille! In der entlegenen Region Spaniens fiel uns während unserer Exerzitien-Wanderung durch das Land des Hl. Ignatius das Ruhigwerden im Gebet sehr leicht. Es lohnt sich, auch im Alltag kleine Ausflüge in die Stille zu unternehmen…
Krisenzeit
Jeder Mensch erlebt Zeiten, in denen es ihm vielleicht schwerer fällt, Gottes Pläne zu erkennen oder ihm zu vertrauen. Es ist dann auch nicht wirklich einfach, die Krise als Chance zu erkenne, die vielleicht eine notwendige Korrektur zur Folge hat oder durch das Erleben von Leid tiefer mit dem Nächsten in Verbindung zu kommen. Die Erfahrung und das Erleben von Leid ist eine Herausforderung. Unsere natürliche Tendenz dazu ist, es möglichst rasch lindern und eine Verbesserung des Zustands erzielen zu wollen. Ja, das ist auch gut. Und zugleich ist es oft nicht möglich und unsere einzige Handlungsmöglichkeit besteht in der Anerkennung des So-Seins, im Dabei-Sein, im Mitleiden. Vielleicht liegt genau darin die echte christliche Stärke…
Wenn wir einen Blick ins Buch der Psalmen werfen: Menschen zu allen Zeiten haben Krisen gekannt und sie ehrlich vor Gott ausgebreitet. Die Psalmen enden oft mit dem inhaltlichen „Und dennoch…“: Und dennoch vertrauen die Sänger auf Gott… und dennoch bitten sie weiterhin um seine Hilfe… Es lohnt sich, nicht nur in Krisen, sondern grundsätzlich das Buch der Psalmen immer wieder aufzuschlagen!
Dranbleiben
Mit Gott im Alltag verbunden zu leben, wird eine Herausforderung bleiben. Unsere täglich neue Entscheidung ist dabei gefragt. Das Tröstliche: Dieses tägliche Neu-Bemühen reicht Gott völlig aus…