"Und es gibt Ehelose, die um des Himmelreiches willen sich der Ehe enthalten."

Mt, 19,12

Ein Leben ganz für Gott -
warum leben wir so, wie wir leben?

Interessante Frage. Manchmal wird sie uns Ancillae direkt gestellt, häufig vielleicht nur gedacht. Auch für uns selbst lohnt es sich, diese Frage immer wieder neu zu beantworten. Ja, warum eigentlich?

Zu allererst stand in unserem Leben die Entscheidung für ein Leben ganz für Gott. Es ist die Entscheidung für die Keuschheit, die - im weitem Verständnis des Wortes - bedeutet, das eigene Herz ganz für Gott zu öffnen und IHM sich ganz, mit allem was man ist und nicht ist, zu schenken. Es ist eine Begegnung in Stille, in der die Seele mit ihrem Gott allein ist. Natürlich nicht im Sinn einer In-sich-selbst-Zurückgezogenheit, sondern in einer inneren Unabhängigkeit von der Bindung und Meinung anderer Menschen. Dies macht einen Menschen dann wiederum ganz frei und bereit für das, was er im Herzen sowie durch das Wort der Kirche als Auftrag in dieser Welt und für die Welt spürt und erkennt.

Damit ist auch verständlich, so erklärte Frau Marianne Schlosser in ihrem jüngsten Artikel zum Thema Zölibat und Priestertum, "dass ein Mensch, der total-personal für den Auftrag Christi in Dienst genommen ist, einer anderen menschlichen Person nicht so gehören kann, wie beispielsweise eine Ehefrau ihrem Mann." Und weiter erklärt sie: Das Versprechen zum zölibatären Leben ist ein Zeugnis des Vertrauens in Gott und seine Gnade. Es ist ein Geschenk Gottes und zugleich ein Geschenk an Gott.

Warum ein Leben in Gemeinschaft?
Dazu kommt im nächsten Schritt die Entscheidung für das Leben in einer Gemeinschaft, in unserem Fall für das Leben in der Gemeinschaft Ancillae Domini. In der Kirche gibt es für Frauen verschiedene Wege, zölibatär zu leben: entweder alleinstehend als gottgeweihte Jungfrau, als Schwester in einem Kloster, einer Kongregation oder eben als Mitglied in einem Säkularinstitut. Das Leben in Gemeinschaft unterstützt den Einzelnen auf seinem Pilgerweg durchs Leben. Zusammen unterwegs zu sein, ist eine Stütze. Natürlich finden sich dabei immer auch Wegetappen, die man alleine geht, innerlich wie äußerlich, doch es gibt ein gemeinsames Ziel, es gibt die Möglichkeit, sich - im übertragenen Sinn - Gepäck und Material zu teilen oder abzunehmen. Zugleich trägt einen die Gemeinschaft auch weiter, wenn´s schwer wird. Die gemeinsam anerkannten Regeln sind Halt und Orientierung zugleich. Jeder, der einmal mit Pfadfindern auf Fahrt war, hat wohl ganz konkret erfahren, den Wert der Gemeinschaft zu schätzen. Unser Lebensweg ist nichts anderes als ein lebenslanger Pilgerweg, eine Lebensfahrt sozusagen.

Und warum im Säkularinstitut?
Für die Art unseres Gemeinschaftslebens haben wir die Form des Säkularinstitutes gewählt. Seit 1947 haben in der Kirche jene Gemeinschaften gottgeweihten Lebens einen Standort, die aufgrund ihrer Eigenart Säkularinstitute (Weltinstitute) heißen: Sie leben die Radikalität der Nachfolge durch ihre Gelübde oder Weihe mitten in der Welt und mit dem Auftrag, die Welt mitzugestalten und die Präsenz der Kirche in der Welt zu stärken. Die Kirche "Seele und Sauerteig der Welt" sein lassen - das ist laut Paul VI. - ihre Berufung, um "die Welt zu heiligen und zu weihen und in ihr die hohen Werte der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens aufleuchten zu lassen." Dabei bezeichnet - im Unterschied zum Welt-Begriff im Johannes-Evangelium - nach Gaudium et Spes (Vaticanum II) das Wort "Welt" die "menschliche Familie mit der Universalität der Dinge, innerhalb derer sie wirkt" (GS 2).

Umformende Präsenz mitten in der Welt...
In den Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls ist daher von der umformenden Präsenz mitten in der Welt die Rede. Eigentlich sehr schön und konkret: schon die Anwesenheit eines Christen ändert jede weltliche Situation durch seine Bezogenheit hin auf etwas, das über diese Welt hinausreicht, durch seine Re-ligion, durch seine Rück-Bindung an Gott! Als Christ hier oder nicht hier sein - das macht definitiv einen Unterschied!
Dass dieser Unterschied auch wirksam wird und der Botschaft Christi den Weg bereitet, darin besteht tatsächlich unsere tägliche Aufgabe. Übrigens - mal angemerkt - die eines jeden Christen...
Es ist unsere Aufgabe, in den irdischen Gegebenheiten rücksichtsvoll und (!) aufrichtig präsent und für deren Hin-Ordnung auf Gott wirksam zu sein.

Und warum ignatianisch?
Wenn man von der Spiritualität einer Gemeinschaft spricht, dann versteht man darunter eine bestimmte Grundhaltung, aufgrund derer man das Leben vor Gott und das Leben in der Welt angeht. Spiritualität ist, wie jemand lebt; sie ist die Weise, wie das Lebensziel sich im Lebensstil ausdrückt. (W. Lambert)

Als Ancillae Domini leben wir nach der ignatianischen Spiritualität. Sie geht auf den Hl. Ignatius von Loyola, dem Gründer der Jesuiten (1491-1556) zurück. Der spanische Heilige gab der Gesellschaft Jesu schon damals den besonderen Auftrag, überall dort zu wirken, wo es der größeren Ehre Gottes und Wirksamkeit für das Reich Gottes mehr entspräche. Manches aus seinem geistlichen Vermächtnis (ignat. Spiritualität) hat vielleicht Übersetzungsbedarf in die Sprache des 21. Jahrhunderts, vieles daraus bietet uns sicher auch heute einen wertvollen Leitfaden für unser Leben als Gottgeweihte in der Welt.
Einige Schwerpunkte sind vielleicht bekannt: mehrtägige Exerzitien (geistliche Übungen), Indifferenz als Freiheit des Geistes (manchmal auch als "engagierte Gelassenheit" bezeichnet), Unterscheidung der Geister (Erkennen von inneren Regungen und Motiven), Gebet der liebenden Aufmerksamkeit (d.h. sich dankbar unter den liebenden Blick des Vaters stellen versus so manch persönliche spirituelle Sehschwäche der Seele), Gott in Allem suchen und finden, und vieles mehr ("magis" :)... Zusammengefasst hat´s ein zeitgenössischer Autor einmal in zwei Worten: liebevoller leben.

Nun - das ist tatsächlich ein Auftrag, an dem wir uns immer neu messen müssen, wollen und dürfen. Hoffentlich ihr auch.