"Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird nicht mehr dürsten in Ewigkeit."

Joh 4,14

Glücklich leben?
Perspektive Erlösung

Hans Kranzl traf kürzlich in seiner Ansprache zum Jubiläum von P. Kasimir eine interessante Feststellung: Heute haben in unseren Breiten alle Menschen die Möglichkeit, angemessen versorgt zu sein und materiell gut zu leben. Und doch wird so viel gejammert wie nie zuvor... Da ist Wahres dran und so stellt sich die Frage: Was ist eigentlich mit uns los? Worin liegt die Ursache für die Unzufriedenheit, die Menschen immer wieder zum Ausdruck bringen und die letztlich unglücklich und unfroh zu machen scheint?

Worauf zielt unser Leben?
Die Frage nach Glück und Zufriedenheit im menschlichen Leben hat immer mit der Zielsetzung von uns zu tun. Steht als letztes Ziel der Mensch in seiner Bezogenheit auf sich selbst, wird auch die Frage nach der Erfüllung der menschlichen Sehnsucht immer begrenzt und endlich sein. Steht hingegen als Ziel der Mensch als geliebtes Geschöpf Gottes, in seiner Hinordnung auf die Ewigkeit, dann führt das Glück des Menschen über seine Endlichkeit hinaus.

Perspektive Erlösung
Als Christen leben wir hier sozusagen wie mit einem Sechser im Lotto: Unser Glaube eröffnet uns die Perspektive der Erlösung und damit die Gewissheit eines Lebens über die menschliche Begrenztheit hinaus. Vom Hl. Irenäus ist das Wort überliefert: Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch. Das Leben des Menschen aber ist die Schau Gottes.

Damit gibt es eine doppelte Bewegung - von Gott hin zum Menschen (Erlösung) und vom Menschen hin zu Gott (Heiligkeit & Glück) - und zwei Blicke treffen sich: Gott sieht auf den Menschen und der Mensch lebt, in dem er über sich hinaus auf Gott blickt. Der Mensch lebt erlöst, wenn er im alltäglichen Leben die Spur und die Botschaft Gottes sucht, entdeckt und beantwortet. Es gilt für uns immer wieder neu, dieses Bewusstsein zu schulen, Dinge tiefer anzuschauen, einander lebendig zu begegnen, hinter dem DU das ewige DU zu sehen, empfangsbereit und dankbar zu leben.

Kultur der Selbstgestaltung: Gott liebt den, der ich bin und sein kann
Bist du dabei auch Freund von dir selbst? Ein grundlegender Schritt zum erlösten Leben ist die Annahme seiner selbst als geliebtes Kind Gottes; mit ganz realistischem und ehrlichem Blick auf die eigenen Stärken und Schwächen. Zum Menschsein gehört es, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und diese zu gestalten. Es wäre ein Fehlschluss zu denken, Bedürfnisse müssten immer befriedigt werden. Nein, Bedürfnisse sind eine Aufforderung zur Gestaltung. Beispiele hierfür sind die Mäßigung der Lust nach Süßigkeiten bei Menschen mit Diabetes oder die Kultivierung des Sexualtriebs im Hinblick auf eine gelingende Ehe oder zölibatäres Leben. Nur ein nicht geordnetes Bedürfnis wird zum Problem. So gehört zu erlöstem Leben ein gewisses Maß an Spannungs- und Leidensfähigkeit, sowie Mut für die Herausforderung an den eigenen Grenzen.

Hoffnung ist Zukunftsfähigkeit
Was zählt, ist eine große Bestimmtheit das ganz zu leben, wozu man sich entschieden hat und sich so jeden Tag neu eine Zukunft geben, in der Weise, die man gewählt hat. Es macht uns Menschen frei und froh, wenn wir nicht an der Vergangenheit und an Verletzungen hängen, uns aus unserer Opferrolle verabschieden und die x-fachen Entschuldigungen für augenblickliche Miseren hinter uns lassen. Unser Glaube ermöglicht uns, aus der Hoffnung zu leben und Propheten des Alltags zu sein: Menschen, die den Augenblick verstehen und mit den Augen Gottes auf die Welt blicken - so können wir uns in wahrhaft christlicher Weise der Welt und ihrer Wirklichkeit zuwenden.

Konkret im Apostolat
Damit ändert sich natürlich auch unser Blick auf unsere Mitmenschen: Den Anderen so sehen, wie Gott ihn sieht und den Anderen so nehmen, wie er mit seinen guten Möglichkeiten sein kann - das verändert auch unsere Mitmenschen hin zum Guten, das schenkt Entwicklungspotential. Genau dieses Apostolat beginnt zu allererst zuhause, in der eigenen Familie, in der eigenen Gemeinschaft. Jeder ist natürlich für die Stimmung bei sich selbst verantwortlich, aber für den guten Umgang untereinander ist jeder mitverantwortlich: Zuwendung, Interesse, Freundlichkeit und Wohlwollen. Im Apostolat nach außen gilt es dann, die Bedürfnisse der Zeit zu erkennen und die Spur Gottes im Leben der Welt lebendig zu halten. Jeder auf seine Art und Weise...