Mein Herr und mein Gott!

Apostel Thomas zu Jesus in Johannes 20,28

Jahresbeginn 2017: Erstklassige Referenten bei den Urlaubstagen in Kleinwolfstein

Nach sportlichen, sonnigen und winterlich-eisigen Tagen auf der Pfarreralm traf sich eine bunt gemischte Gruppe aus Nah und Fern zum Jahresbeginn 2017 in Kleinwolfstein, um geistig gestärkt und erholt ins Neue Jahr starten zu können. Die geistliche Atmosphäre des Hauses mit täglicher Liturgie und Anbetung, verschiedenen Vorträgen sowie einer guten Mischung aus Arbeit und Erholung boten den geeigneten Rahmen dafür.

Was unter den sogenannten "Urlaubstagen" zu verstehen ist, umschreibt man am einfachsten mit "ora et labora". In der entsprechenden Ausgewogenheit wurde dies dann tatsächlich zum Urlaub für Leib und Seele. Dabei bezog sich "Labora" in diesen Tagen weniger auf eine äußere Tätigkeit, als vielmehr auf Aktivität des Geistes.

Dazu sorgten einige kompetente Gäste für den entsprechenden geistigen Input. Dankenswerterweise referierte auch dieses Mal wieder Bischofsvikar Dr. Helmut Prader zu einem seiner Top-Themen: Lieben mit Körper, Seele und Geist. Theologie des Leibes nach Johannes Paul II.

Verantwortung und Entscheidung
Bischofsvikar Dr. Prader legte dar, dass Verantwortung voraussetzt, frei entscheiden zu können. Er zeigte die großen Linien der Predigten von Johannes Paul II. auf und stellte besonders die grundlegende Rolle von Verantwortung in den Texten der Enzyklika Humanae vitae vor. Damit verbunden war klar, dass Sexualität weit über die leibliche Vereinigung hinausreicht. Ein schönes Zitat: "Sexualität bedeutet, dem anderen einen Blick in die Seele zu gewähren."

Amoris laetitia
Bischof DDr. Klaus Küng hatte es sich zum Ziel gesetzt, die wichtigen Themenbereich des Apostolischen Schreibens von Papst Franziskus auf dem Hintergrund der bisherigen kirchlichen Lehre dazustellen. Dabei verwies er auf die in Amoris Laetitia genannten Bezüge zu Familiaris Consortio (1981) und Humanae Vitae (1968). Bischof Klaus beschrieb die fruchtbare Liebe als Symbol für die Wirklichkeit Gottes und die Ehe als Berufung zur Heiligkeit, deren Regel die Liebe zum Ehepartner ist. Die Regel des Mannes ist die Liebe zur Frau. Die Regel der Frau ist die Liebe zum Mann. Grundgesetz dieser gegenseitigen Liebe ist das Wachsen bis zum Lebensende. So führt die Ehe durch ihre Entscheidung zur festen Bindung zur Überwindung des Individualismus. Die Verkündigung des "Evangeliums der Familie" gibt eine Antwort auf die Sehnsucht des Menschen nach ihm gemäßen Werten und der Familie damit eine zentrale Stellung. Darauf muss unbedingt schon in der Ehevorbereitung Wert gelegt und zum Eheversprechen (als gegenseitiges "Ja") hingeführt werden: Verlobung als Vorbereitung auf diesen Weg der Jüngerschaft und Hochzeit als Anfang dieses Weges. Auch die Begleitung während der ersten fünf Ehejahre benannte Bischof Klaus als ein wichtiges Anliegen. Dass das Bußsakrament dazu ein großer Gewinn sein kann, genauso wie die rechte Haltung zur Herausforderung der Krisen, war klar: "Jede Krise birgt eine gute Nachricht, die zu hören man lernen muss, indem man das Ohr des Herzens verfeinert." (AL 232) Bischof Klaus bedauerte jedoch auch, dass Amoris Laetitia in mancher Hinsicht gewisse Unklarheiten aufweise. So werde beispielsweise der Sündenbegriff an keiner Stelle verwandt und der Verweis auf die Gewissensentscheidung ermangle einer Erläuterung zur Notwendigkeit der Gewissensbildung. Summa summarum war es Bischof Küng ein großes Anliegen, die Konstanz der kirchlichen Lehre zur Schönheit der ehelichen Liebe aufzuzeigen.

Gebet als Ausdruck unserer Sehnsucht nach Gott
Als abschließende Referentin hatte Frau Prof. Dr. Marianne Schlosser aus Wien im Schneegestöber den Weg nach Kleinwolfstein gefunden. Wir hatten die Freude, mit ihr einen ganzen Nachmittag zum Thema Gebet zu verbringen.
Frau Prof. Schlosser sprach über das Bittgebet und provozierte: "Würde Gott uns denn zum Bittgebet aufrufen, wenn er uns nicht erhören wollte?!" Das Vaterunser legte sie uns als Ausdruck der Hoffnung besonders ans Herz. So sei das Gebet grundsätzlich der Tugend der Hoffnung zu geordnet: "Er hätte uns nicht dazu angehalten zu bitten, wenn er nicht vorhätte, uns zu erhören. Er hat uns also gelehrt, auf ihn zu hoffen (dass er geben werde) und auch, was wir erbitten sollen. Im Vaterunser ist unsere ganze Hoffnung enthalten: von wem wir etwas erhoffen, warum und was." (Thomas v. Aquin Comp. Theol. II, 3) Nach Frau Prof. Schlosser zeichnet sich das Gebet durch drei Eigenschaften aus: kurz, vollständig, wirksam. Besonders Stoßgebete, die wie feurige Pfeile gen Himmel schießen und den Alltag durchziehen und heiligen, kamen immer wieder zur Sprache. Ihre Empfehlung: Möglichst rasch und möglichst viele! Absolut notwendige Voraussetzung für ein andächtiges und immerwährendes Gebet ist die Aufmerksamkeit auf das Gegenüber und das Wissen: "Mein Gegenüber hört mir zu!" Insofern steht am Beginn des Gebets ein Glaubens- und Vertrauensakt.

Notwendigkeit der ersten Absicht
Gott sieht in erster Linie auf die erste Absicht, auf die Bereitschaft zu beten und Gott seine Zeit zu schenken. Natürlich ist es dem menschlichen Geist nicht möglich, sich dauerhaft im Gebet auf das mündliche Wort zu konzentrieren: "Damit das Gebet eine verdienstvolle Wirkung habe, ist es nicht notwendig, dass die Aufmerksamkeit das gesamte Gebet hindurch anhalte, sondern kraft der ersten Absicht, mit der jemand sich zum Gebet begibt, wird das ganze Gebet verdienstvoll."

Frau Prof. Schlosser nahm sich viel Zeit, um auf die Fragen der Zuhörer einzugehen und es gelang ihr, einen ganz tiefen Bezug des Gesagten zum persönlichen Leben herzustellen. Vergelt´s Gott vielmals.

... et labora!
Auch die Arbeit kam in den Tagen nicht zu kurz: Ganz themenbezogen stellte sich Annamaria J. der Herausforderung, die gesamte Gruppe in das Knüpfen der kunstvollen Knoten für ein Jesus-Armband einzuführen. Das orthodoxe Knotenband hatten wir auf Fahrten nach Georgien und Mazedonien kennengelernt. Es ist eine geknüpfte Gebetsschnur, mit der man das Jesusgebet verrichten kann. Die geschlossene Schnur steht als Zeichen für das immerwährende Gebet ("Betet ohne Unterlass"). Das Jesusgebet, auch Herzensgebet genannt, ist ein besonders in den orthodoxen Kirchen weit verbreitetes Gebet, bei dem ununterbrochen der Name Jesu Christi angerufen wird: Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner.