"So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn hingab."

Joh 3,16

Die Welt leidenschaftlich lieben...
Geistliche Urlaubstage in Kleinwolfstein

Steckt darin nicht ein Widerspruch zur christlichen Botschaft? Nein - absolut nicht. Doch man merkt: Der Bogen ward weit gespannt. So diskutierten wir in den ersten Tagen des Jahres tatsächlich vordergründig kontrovers über verschiedene Themen unseres Lebens und ließen uns von den Referenten auch entsprechend herausfordern. Doch der Reihe nach.

Auch heuer gab es wieder vom 2. bis 5. Jänner die Möglichkeit geistig und körperlich in Kleinwolfstein aufzutanken und so ins neue Jahr zu starten. Nutzten einige die Gelegenheit, direkt vom Winterlager auf der Pfarreralm / Steiermark nach Kleinwolfstein zu kommen, trafen andere erst tags darauf aus nah und fern ein. Geistiges Programm mit Hl. Messe, Anbetung, Rosenkranz war gut verknüpft mit verschiedenen Vorträgen, Workshops und Arbeiten in Haus und Hof.

Der Andere als Geschenk
Besonders die Referenten setzten wieder ganz individuelle Impulse und regten zum Nachdenken - auch über diese Tage hinaus - an. Gleich am 2. Jänner referierte Hr. Pfr. Prof. Dr. Helmut Prader zum Thema "Identität und Bindung" und über den bejahenden Umgang miteinander. Sich schenken bedeutet: sich hingeben ohne Erwartung. Es ist immer eine Herausforderung, die authentische Begegnung so zu gestalten, dass man die Ehrfurcht vor einander bewahrt. Der Andere ist und bleibt uns immer ein Geschenk.
Pfr. Prader ging auch auf menschliche Verletzungen ein: Es soll nichts geben, was nicht verziehen werden könnte. Die Bedingung zum Verzeihen seien bekennen, bereuen, bessern. Immer wieder stellte er dabei auch heraus: Die Ehe ist nicht dazu da, glücklich zu werden, sondern glücklich zu machen und Glück zu schenken. Familie ist ein Miteinander und ein Füreinander. Das Gespräch von Herz zu Herz sei dafür ein ganz wichtiger Moment: ehrlich, offen, Schwächen eingestehend, mit großem Vertrauensvorschuss und immer wieder bereit zur persönlichen Weiterentwicklung.

Leidenschaftlich die Welt lieben?
Spirituell-geistig zeigte Regionalvikar Dr. Robert Weber dann am darauffolgenden Tag den Weg zur Heiligkeit im Alltag anhand der Forderung des Hl. Josefmaria Escrivá, die Welt leidenschaftlich zu lieben. Stehe dies denn nicht im Gegensatz zum Hl. Johannes im ersten Johannesbrief 2. Kapitel? Ja natürlich gilt es zu unterscheiden, es gilt aufmerksam gegenüber falschen Verlockungen zu sein. Doch Gott hat die Welt geschaffen, als Aufgabe und zur Berufung für den Menschen. Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen eigenen Sohn sandte.

Der Alltag ist der Ort der Begegnung mit Christus
Jeder Christ ist daher mitten in der Welt, in seinem Alltag zur Heiligkeit und zur Heiligung der Welt gerufen. Es gilt im Alltag das Christ-sein zu leben, mitten in der Welt. Der Alltag ist der Ort der Begegnung mit Christus. Jesus selbst lebte 30 Jahre in Nazareth, bei seiner Familie, seiner Nachbarschaft, seinen Berufskollegen. Seit Jesu Alltag gibt es keine ausschließlich profane Tätigkeit mehr. Heiligkeit geschieht in der Welt. Die Berufung des Christen sei der des König Midas vergleichbar: alles was er berühre, verwandle sich in Gold, im über­tragenen Sinn! Die Begegnung mit Christus macht aus der Prosa des Alltags epische Dichtung.

Arbeite viel, arbeite gut, aus Liebe zu Gott und mit absoluter Lauterkeit. So bekommt der graue Alltag Farbe. Das Leben wird zur Kontemplation in der Welt und in der Arbeit. Kontemplation ist dabei das Wissen um die Liebe und das Wissen, ER IST DA! Die Bejahung des Guten und Schönen und Reinen hat ihr Fundament in unserer Gotteskindschaft und fordert damit auch einen bejahenden Umgang mit sich selbst, seinen Schwächen und Mängeln, sowie eine wohlwollend-schützende Begegnung mit anderen Menschen.

Brauchen wir eine kulturelle Revolution im eigenen Leben?
Als Referent des dritten Tages stellte Prof. Dr. Rüsch Fragen. Und zwar Fragen, die Antworten erforderten. Sein Einstieg: "Was bist du bereit, Gott zu geben?". Er nannte Beispiele, er ließ die Zuhörer antworten. Am Ende dann die Frage: "Bist du bereit, deine Vorlieben Gott zu geben?" - Pause.
So war Dr. Rüsch bei seinem Thema: Pass auf, was du magst! Persönlichkeitsformung nehme die eigenen Vorlieben in den Blick. Vorlieben werden Gedanken prägen. Gedanken prägen Worte. Worte Handlungen. Aus Handlungen werden Gewohnheiten. Gewohnheiten prägen dein Leben.

Ziel einer reifen Persönlichkeit ist es, Herr ihrer selbst zu sein. Dr. Rüsch zeigte hier das Spannungsfeld "Gruppen­orientierung versus Wahrheitsorientierung" auf und benannte Verstand und Gefühl als gegenseitige Wächter. Dabei spiele die Sprache eine besondere Rolle: Achtet auf eure Sprache und erkennt die Bedeutung der Dinge in ihrem Geschaffen-Sein auf Gott hin. Nur in der Wahrheit können wir frei und nicht Diener der eigenen Ziele sein.

Habt Mut zur Exzellenz!
Auch die Frage des Geschmacks sei nicht der Beliebigkeit zu überlassen: Wenn man den Geschmack der Menschen ändert, ändere man ihre Wertvorstellungen und Weltanschauung, ohne dass sie es merken, so die Denkanregung von Dr. Rüsch. Lebenslanges Lernen und Streben nach Exzellenz und Schönheit sei daher der Weg gegen ein Verharren im Mittelmaß, gegen Verfall und Degeneration. Dr. Rüsch ermunterte zum Aufwachen aus der Akzeptanz der Mittelmäßigkeit und zum Mut zur Exzellenz. Auf die Frage, wie man dies nun angehen solle, gab er folgenden Tipp: Selbstreflexion im Blick auf zwei Bereiche:

  1. Achte auf die Musik, die du hörst.
  2. Achte auf deine Manieren.


Der auch in Niederösterreich einsetzende Winter und das große Schneetreiben erschwerten am Abend dann das Durchkommen auf den Straßen zum geplanten Fotoabend über die Armenien-Großfahrt 2018. Nichts desto trotz: Wer wagt, der gewinnt. Der Abend fand statt. Schön war´s!


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