Betet ohne Unterlass.

1Thess 5,17

Etwas für Kopf, Herz und Hand
Urlaubstage in Kleinwolfstein

Während der ersten Tage des Jahres gab's in Kleinwolfstein für jeden etwas im Angebot: Gemeinsame Feier der täglichen Liturgie und Stille vor dem Allerheiligsten, Ruhe am Ofen oder draußen in der winterlichen Natur, Vorträge von erstklassigen Referenten wie Familienbischof Klaus Küng, Bischofsvikar für Lebensschutz und Familie Dr. Helmut Prader oder von Ernie Andergassen, Sexualpädagogin (Leib - Bindung - Identität). Zum geistigen Input gehörten natürlich in diesen Tagen auch viele Begegnungen dazu: persönlicher Austausch, praktische Mithilfe in Haus und Hof sowie handwerkliches und künstlerisches Gestalten. Besonderer Beliebtheit erfreute sich alle Tage hindurch der Workshop "Handlettering".

Nachdem Ernie Andergassen sich mit dem gesellschaftlich top-aktuellen Thema "Ist Aufklärung zum ideologischen Kulturkampf geworden?" auseinandersetzte, widmete Bischof Klaus einen ganzen Nachmittag dem innerlich tiefgehenden und allzeit top-aktuellen Thema Gebet.

Gebet - Weg der Freundschaft zu Gott
Bischof Küng nahm sich wieder viel Zeit, um auf seine ganz konkrete und persönliche Art in Kleinwolfstein über ein spirituelles Thema zu sprechen. So zeigte er in diesem Jahr in zwei Vorträgen das Gebet als den Weg zur Freundschaft mit Gott auf:

Unser Verständnis vom Menschen ist abhängig von unserem Verhältnis zu Gott. - Mit diesem Satz forderte Bischof Klaus gleich zu Beginn seine Zuhörer heraus und er zitierte dann Palm 139 für ein Leben in Gottes Allgegenwart: HERR, du hast mich erforscht und kennst mich. Du weißt es, ob ich sitze oder stehe, du durchschaust meine Gedanken von ferne. Ob ich gehe oder ruhe, du hast es gemessen. Du bist vertraut mit all meinen Wegen (...). Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin. Ich weiß es genau: Wunderbar sind deine Werke.

Genau darin bestehe das Gebet: Leben in der Gegenwart Gottes. Beten ist in Kontakt treten mit Gott: ruhig werden vor IHM, verweilen in dem Bewusstsein, dass ER da ist, dass unser Leben von IHM her zu verstehen ist. Die Sünde dagegen ist ein Verstoß gegen die Vernunft und gegen die Wahrheit. Sie ist somit ein Bruch mit demjenigen, der uns erschaffen hat, eine Auflehnung gegen unseren Schöpfer. So kann sie als ein Riss in unserem eigenen Inneren beschrieben werden, als ein Verlust des Friedens mit der Folge von innerer Unzufriedenheit. Diese Selbstzerrissenheit hat natürlich Auswirkung auf unsere Beziehung zu anderen Menschen. Gott selbst nähert sich diskret, so dass wir immer frei sind und frei bleiben. Im Gebet dürfen und können wir Gott nahe sein und IHM so immer wieder näher kommen.

Allzeit beten
Die Hl. Theresia von Lisieux beschreibt das Gebet als einen Aufschwung des Herzens, als einen schlichten Blick zum Himmel, als einen Ausruf der Dankbarkeit und Liebe inmitten der Prüfung und der Freude. Und was kann uns dazu eine Hilfe sein?
Bischof Küng nennt an erster Stelle einen Akt der Sammlung: Ich trage Gott im Herzen, Gott sieht mich, er kennt mich, er ist mir nahe. Dabei kann die konkrete Hinwendung zum Tabernakel ein deutlicher äußerer Ausdruck sein: ein kurzer Akt der Anbetung, die Bitte um Glauben...
Wie schon Jesus vorgelebt hat, führt die Übung des Gebets auch in die Einsamkeit und in die Absonderung. Jesus hatte das Bedürfnis, für den Austausch mit seinem Vater alleine zu sein.
Dabei ist der Inhalt des Gebetes nicht eine gedanklich-reflektierte Beschäftigung mit den vielen Dingen unseres Lebens. Ziel des Gebetes ist einzig die Begegnung mit Gott und das Hinhören auf SEINE Stimme. Grundvollzüge sind dabei Lob, Bitte, Sühne und DANK. Gerade der Dank führt zur Veränderung des eigenen Lebens. So beschreibt die Hl. Theresia das beschauliche Gebet als freundschaftlichen Umgang mit dem Herrn, als ein Gespräch unter Freunden. Als Mittel gegen die Zerstreuung führt Bischof Klaus das eigene Klein-werden an: "Die Dame Demut ist in der Lage, den König schachmatt zu setzen."

Wie spricht Gott uns an?
Das Gebet ist immer ein Zwiegespräch, ein Dialog. Ein Sprechen und ein Hören. Manchmal schenkt uns Gott auch die Klarheit einer Erkenntnis, verbunden mit innerer Freude. Ein andermal verspüren wir Impulse, etwas in unserem Leben zu ändern und haben die Kraft dazu. Aber auch keimende Reue über falsche Grundhaltungen und Sünden, eine klarere Erkenntnis seiner selbst und vieles andere... Gebet ist so vielfältig wie es Menschen und Situationen gibt.

Was tun bei Trockenheit und Traurigkeit?
Eine erste Überlegung sollte sein: Was sind meine Hausaufgaben, um für das Wirken des Hl. Geistes offen zu sein: Meine Vorbereitung des Gebetes? Die Hl. Beichte? Bereitschaft zur inneren Erneuerung, zur Umkehr? Offenheit für die Gnade Gottes? Nicht auf die eigene Stärke bauen? In der eigenen Schwäche zu Jesus gehen? Selbst vergeben...
Hält die Dunkelheit im Gebetsleben weiter an, empfahl Bischof Küng weitere Hilfen: geistige Begleitung, die eigene Bitte um die Gnade der Freude, das bewusste Setzen von Glaubensakten, geduldiges Weiterbeten, Kämpfen und Geduld haben... bis die Sonne wieder aufgeht!

Beten wandelt
Wahres Beten verändert das Leben. Es ist wie in einer Freundschaft: einander suchen, miteinander reden verbindet, sich bemühen, dem anderen Gutes zu tun... So kann unsere Freundschaft mit Gott auch zu einer ständigen Verbundenheit werden. Dazu nennt Bischof Küng viele kleine Mosaiksteine des Alltags, die unser Gebet zu einer lebendigen Freundschaft werden lassen: das Jesusgebet, das Herzensgebet; viele Stoßgebete während des Tages; das Stundengebet im Rhythmus des Tagesablaufs; unsere Pflichterfüllung als Gebet; der dreimalige Angelus, in dem wir die Menschwerdung Christi in das eigene Leben hinein nehmen und der zugleich ein Rendez-vous mit Maria werden kann... Nicht zu vergessen die Lectio divina, die geistige Lesung. Laut Bischof Küng ist das Lesen in der Heiligen Schrift wie ein Aufladen von Batterien. Einen ganz wichtigen Platz im Gebetsleben sollte das tägliche stille Gebet bekommen. In dieser Art des Betens durch den ganzen Tag hindurch wird sich unser Leben wandeln und in jedem Akt des Gebets noch weiter verwandeln. Auch die Arbeit des Tages erhält so ihren Wert: Selbstdisziplin führt zur Heiligkeit, die Begegnung mit anderen Menschen kann zu einer Christusbegegnung werden, die Mühe und die Anstrengung in Pflicht und Verantwortung gewinnt durch eine übernatürliche Ausrichtung ihren Wert.
Bischof Klaus verwies in diesem Zusammenhang auf den Karmelit Bruder Lorenz, der im 17. Jahrhundert gelebt hatte und der zu Beginn seines Ordenslebens sehr unzufrieden damit war, Botengänge machen zu müssen, statt allezeit zu beten. Später erkannte er in großer Weisheit, dass die Arbeitszeit für ihn keineswegs von der Gebetszeit verschieden sei: "Ich besitze Gott genauso ruhig in der Hektik meiner Küche, wo mich manchmal mehrere Personen gleichzeitig verschiedene Dinge fragen, als würde ich vor dem Altar knien. (...) Und es ist nicht nötig, mit großartigen Aufgaben betraut zu sein. Ich wende mein kleines Omelette in der Pfanne aus Liebe zu Gott. Wenn das Omelette fertig ist, und ich nichts mehr zu tun habe, knie ich nieder und verehre meinen Gott, von dem ich die Gnade erhalten habe, das Omelette zu machen, und danach erhebe ich mich wieder, zufriedener als ein König. Wenn ich nichts anderes tun kann, ist es genug für mich, aus Liebe zu Gott einen Strohhalm vom Boden aufzuheben. Man sucht Methoden, um Gott lieben zu lernen und macht wer-weiß-was-für Übungen. (...) Doch ist es nicht viel schneller und direkter, einfach alles aus Liebe zu Gott zu tun? Ihm zu dienen in allen Arbeiten? Sich seiner Gegenwart in uns zu vergewissern durch die Verbindung unseres Herzens mit ihm? Dazu braucht man keine Finessen. Man muss sich nur einfachen Herzens ihm zuwenden."

Sehnsucht nach Wandlung
Zentral für das immerwährende Gebet ist die Hl. Eucharistie als Wurzel, Quelle und Höhepunkt unseres Tages. Aus ihr erhalten wir die Kraft und aus ihr erhält unser christliches Leben seine Bedeutung. In ihren zwei Teilen spiegelt die Hl. Eucharistie auch unser Beten wieder: Zuerst das Hinhören auf das Wort Gottes und dann die große Sehnsucht nach Wandlung, nach einer Wandlung des eigenen Lebens, in dem Christus im eigenen Leben gegenwärtig wird. Ja, es gibt diesen Zusammenhang zwischen dem Hinhören auf das Wort Gottes und dem Bemühen um die Hl. Kommunion als der Vereinigung unserer Seele mit ihrem Herrn. Das Verlangen christlich zu leben ist begründet in Christus. Er ist der Schlüssel zur Wandlung unseres eigenen Herzens durch die heilige Eucharistie. Ite missa est! Die Sendung am Ende der Hl. Eucharistie ist der Auftrag an jeden von uns, die Hl. Messe in den Tag hineinzutragen und Jesus in den Alltag mitzubringen.
"Entdeckt daher die tägliche Hl. Messe! Sie ist das Zentrum jeden Tages!" ermunterte Bischof Küng. Es gehe dabei um die doppelte Bewegung: hin zur Hl. Messe und von der Hl. Messe hinein in den Alltag. Gerade im Blick auf die aktuelle Frage der Glaubensweitergabe rückte Bischof Klaus noch zwei Aufträge in den Fokus: Stellvertretung und Sühne. Wir alle stehen in einer großen Verantwortung für viele andere zu beten und zugleich gilt es, angesichts mancher Fehlentwicklungen in Liebe zu reagieren, zu beten, Opfer zu bringen und zu fasten.

Herr Bischof, für Ihren in diesen Tagen so wesentlichen Vortrag sagen wir einfach nur ein ganz großes Vergelt´s Gott!