Mein Herr und mein Gott!

Apostel Thomas zu Jesus in Johannes 20,28

Begegnung über Klostermauern hinweg - Die Ancillae Domini zu Besuch im Stift Seitenstetten

Vor einem Jahr war Abt Petrus Pilsinger OSB vom Stift Seitenstetten als Referent bei den Urlaubstagen in Kleinwolfstein zu Gast. Damals entstand die Idee, als Gemeinschaft einen Gegenbesuch im Konvent von Seitenstetten zu planen und dabei die lange Tradition der Benediktiner im Mostviertel kennen zu lernen.
Nach dem Motto gut Ding braucht Weile fand sich tatsächlich nun im Januar 2017 ein Termin. Abt Petrus und Vikar P. Laurentius begrüßten uns Gäste herzlich am Eingangstor und es dauerte nicht lange, bis sich eine muntere Runde jüngerer und älterer Patres mit uns zum Kaffee eingefunden hatte. Gegenseitige Fragen wurden über den Tisch hinweg ausgetauscht und manche Antwort für den vielleicht schwerhörigen Tischnachbarn nochmals lautstark wiederholt. Geschichte des Stifts, Entstehung der Gemeinschaft Ancillae Domini, Aufgabenbereiche in Apostolat, berufliche und pfarrliche Einsätze oder Ämter in der Gemeinschaft... Es war ein fröhlicher Austausch und es war beeindruckend, das schöne Miteinander so verschiedener Persönlichkeiten und Altersgruppen von Mitte zwanzig bis 96 Jahre zu erleben.
Staunen konnten wir dann auch während der Führung mit Abt Petrus durch´s Kloster und die dazugehörige Schule. Die Bibliothek mit ihren antiken Büchern zeigt, dass der Spruch ora et labora et lege (bete und arbeite und lies) nicht nur wohlklingt, sondern für die Benediktiner-Mönche seit frühester Zeit ein wichtiger Bestandteil ihrer Spiritualität ist. Der Raum ist wunderschön gestaltet mit barocken Verzierungen und Deckenfresken, alle Bücher sind in weißes Leder gebunden, tausende an der Zahl. Der Abt zeigte eine Bibel aus dem Mittelalter, die in den drei Sprachen des Orients geschrieben war. Das Christentum des Ostens hat eine alte und lange Tradition, von der viele Menschen heute nichts mehr wissen. Wie praktisch wären solche Übersetzungen heute, wo wieder mehr Menschen aus orientalischen Ländern Jesus Christus suchen. In der Bibliothek wurde die Geschichte der Kirche anfassbar und greifbar und ganz real zeitgemäß!
Der Streifzug durch das Kloster war wie eine Reise in die Vergangenheit der Kirche, im Besonderen der langen Geschichte der Benediktiner, der sein Ziel in der Stiftskirche fand: Gemeinsam mit dem Konvent beteten wir die Vesper, die am Sonntag besonders feierlich auf Latein gesungen wird. Der gregorianische Choral als gesungenes Gebet mit seiner getragenen Melodie lässt einen die Größe Gottes erahnen und die eigenen Sorgen und Nöte in den Hintergrund treten. Die Mönche treffen sich siebenmal am Tag um IHN zu loben und zu preisen, um IHN in das Zentrum ihres Lebens zu stellen.

Eine große Überraschung wartete am Ende auf uns. Der Abt und seine Gemeinschaft hatten uns eingeladen, mit ihnen gemeinsam im Refektorium zu Abend zu essen und so hatten wir an der langen Tafel nochmals die Möglichkeit uns ganz unkompliziert auszutauschen. Beeindruckt vom Interesse der Patres, ihren Erzählungen und Zeugnissen und der Gastfreundschaft von Abt Petrus sprachen wir gerne eine Gegeneinladung aus: Wie wär´s mit einem Seitenstettener Konventsausflug zu den Ancillae nach Kleinwolfstein!?
Vergelt´s Gott, liebe Kommunität im Stift Seitenstetten! Oremus pro invicem.