"Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben."

Joh 10,10

Der Ruf Gottes zur Freiheit der Liebe
Tag geweihten Lebens in der Diözese St. Pölten

Das Fest Maria Lichtmess ist für alle Ordensleute und Menschen im gottgeweihten Stand ein besonderer Tag. Wir feiern unsere Berufung als Gottgeweihte, in besonderer Verbundenheit mit der Muttergottes, die – wie Bischof Alois Schwarz in seiner Predigt bei dem diesjährigen Ordenstreffen wunderschön erklärte – Jesus, ihren Erst­geborenen Sohn in der Tradition des Judentums vor Gott mit einem Opfer ausgelöst und ihn somit ganz Gott "zurück-geschenkt" hat.

Diese Form der Hingabe, der Weihe des eigenen Lebens an den Herrn, der uns ein Leben in Fülle schenkt, feierte die Gemeinschaft der Ordensleute in der Diözese St. Pölten dieses Jahr bei den Franziskanerinnen in Amstetten. Das Thema des Gastreferenten Herrn Dr. theol., Dipl.-Päd. Georg Beirer war "Berufung – Ruf Gottes zur Freiheit in Liebe". Grundsätzlich sollte jeder Christ sich mit der Frage der Berufung auseinander zu setzen. Jeder Getaufte erfahre den An-Ruf Gottes aus dem Grund der eigenen Seele und sei herausgefordert, selbst Ja dazu sagen und dieses Ja jeden Tag neu zu leben.

Leben in Fülle
Dr. Beirer brachte mit einer großen Fülle von Anregungen zum Nachdenken: Nicht die getroffene Entscheidung sei das Ziel, sondern das Leben in Fülle... Bleibt nicht stehen bei dem Gefühl von Sicherheit und Angekommen-sein und vergesst dabei vielleicht zu leben...! Es geht um das "entschieden leben". Die Berufung als Christ sei keine Berufung zur Sicherheit, sondern die Gewissheit, die für mich richtige Entscheidung getroffen zu haben, die mich zu einem Leben in Fülle führt. Diese Gewissheit kann man auch mit dem Wort Vertrauen ersetzen, Vertrauen in Gott, in SEINEN Willen, in SEIN Bestwollen für mein Leben. Dieses Leben in Fülle bedeutet nicht zwangsläufig in ständiger Glückseligkeit zu leben, die wir letztlich erst im Himmel erfahren werden, aber mit einer inneren Freude an dem, was man tut, auch in schweren Stunden festzuhalten, in der Gewissheit, dass es das ist, was Gott uns bereitet. Er will letztlich unser Glück und in der Entscheidung IHM nachzufolgen, tragen wir SEINE Liebe zu unseren Nächsten. Dazu gilt zuerst das Wort Jesu "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" Mk 12,31! Sich selbst zu lieben, sein Leben, die eigene Biographie anzunehmen sei echtes Schwarzbrot, aber nur dann werden wir glücklich werden, denn Gott liebt uns genauso, wie wir sind!

Im Anschluss an den Vortrag segnete Bischof Schwarz das neue Schwesternhaus der Franziskanerinnen und gemeinsam feierten die Ordensleute unterschiedlichster Gemeinschaften die Vesper und erneuerten ihre Gelübde mit schönen Gedanken, die sie tiefer verstehen lehren: "Ich verspreche ehelose Keuschheit. Gott gehört mein ganzes Sein. Er soll meine Sehnsucht bleiben und mich ganz erfüllen, damit ich im Dienst an den Menschen fruchtbar sein kann."

In der Freude an unserer Berufung konnten wir am Schluss des Treffens beim gemütlichen Beisammensein Bekannt­schaften erneuern und uns mit Ordensfrauen aus vielen verschiedenen Gemeinschaften austauschen. Deo Gratias.